Sabbat-Tag

Als ein nach innen gerichteter Mensch, finde ich, dass Du Deine 10.080 Minuten in der Woche mit möglichst sinnvollen und produktiven Ideen und Aufgaben füllen solltest. Dennoch ist es ganz wichtig, Deinem Körper und Geist auch genügend Ruhe zu geben. Damit Du leistungsfähig bleibst. Damit Du jederzeit auf voller Höhe sein kannst. Damit Du einfach nicht ausbrennst.

Der Sabbat kommt aus dem Jüdischen und bedeutet im Deutschen >>Ruhetag/ Ruhepause<<. Im Judentum ist es der siebte Wochentag. Hier soll keine Arbeit verrichtet werden. Und seine Einhaltung gehört zu den Zehn Geboten. (Quelle: wikipedia.org)

Es ist von großer Bedeutung, dass Du Dir bewusst Platz machst in der Woche, wo Du ein oder zwei Gänge runter schaltest. Einen Sabbat-Tag einlegen. Keine technischen Geräte benutzen. Nur das Smartphone benutzen, wenn es zwingend erforderlich ist (ein eingehender Anruf oder eine ganz wichtige SMS). Ansonsten lege das Teil beiseite und sei an diesem Tag einfach mal nicht auf Dauer-Stand-by. Dazu gehören auch PC/Laptop, Tablet, Fernseher und vieles mehr.

Für einige mag es so klingen, dass man dann vielleicht zu sehr alleine ist. Doch alleine sein bedeutet nicht immer etwas Schlechtes. Sieh es mal von der anderen Seite. Du hast endlich mal Zeit, Dich und Deine Umgebung zu reflektieren. Ernsthaft wahrzunehmen, was um Dich herum passiert. Zeit, um mal runterzukommen. Vom Alltagsstress, Unistress, Reisestress oder Sonstigem. Zeit für Dich. Ein Sabbat-Tag kann Dir erheblich dabei helfen, vermehrt im Hier und Jetzt zu leben.

Ich starte meinen Sabbat-Tag am Sonntagmorgen und er geht bis zum Schlafen gehen. Ich gehe nicht, wie gewöhnlich, nach dem Aufstehen als Erstes an mein MacBook. Nur um mein Tagebuch-Eintrag zu verfassen. Nur um im Anschluss ebenfalls zu Lumosity und Headspace zu gehen. Ich checke auch keine E-Mails, Facebook- oder Twitter-Nachrichten.

Vielleicht lese ich erst mal ein bisschen. Oder frühstücke in aller Ruhe. Für mich findet ein ganz sanfter Start in den Tag statt.

Solltest Du am Sonntag arbeiten, dann machst Du es an Deinem freien Tag. Ist Dein freier Tag also Montag oder Mittwoch, dann werden diese Tage Dein Sabbat-Tag sein.

Um Dir noch mal ein paar Anregungen zu geben, was Du alles Schönes mit Deinem freien Tag anfangen kannst, liste ich Dir mal meine 10 Gründe auf, warum ein Sabbat-Tag pro Woche für Dich nützlich ist:

1. Zur Ruhe kommen

Du hast jetzt endlich mal die Möglichkeit in aller Ruhe runterzukommen. Einige nehmen es wahr, andere hingegen nicht. Sie merken es erst, wenn sie ein Burn-out haben. Mein alter Schullehrer, Herr Schlereth, hat mir einmal von seiner Kur während seiner Schulzeit erzählt. Er hatte nämlich Burn-out. Und dort hat er eine junge Lehrerin im Alter von 27 Jahren getroffen. Und weswegen war sie dort? Ja genau, auch wegen Burn-out.

Das kann doch alles nicht Sinn der Sache sein. Möglichst schnell so viel wie möglich Karriere-technisch zu erreichen und im Gegenzug mit dem hohen Preis des extremen Verschleißes des Körpers und Geists zu bezahlen.

Wenn Du also in Deinem Alltag keine Zeit für Dich selbst findest, nehme Dir einen Tag in der Woche bewusst frei. Dein Körper wird Dir kurzfristig und vor allem langfristig dafür danken. Denke auch immer an Deine Mitmenschen. So wie Du Dich fühlst, zeigst Du es auch nach außen.

2. Kümmere Dich um Deinen Körper

Damit ist jetzt nicht nur Sport gemeint. Hiermit meine ich auch, dass Du Dir Zeit für ausgiebige Körperpflege nehmen kannst. Oder, ob Du Dir eine Massage gönnst. Nimm Dir die Zeit und lass Dich vielleicht einmal in einem Spa so richtig verwöhnen.

Natürlich bildet Sport eine ganz wichtige Komponente im Bezug auf Deine physische und mentale Stärke. Deshalb solltest Du diese auch in keinem Fall in Deinem Leben vernachlässigen.

3. Mehr Zeit zum Lesen (offline)

Ja, das Lesen. Für Schüler und Studenten gehört es wahrscheinlich zum Alltag und daher sind sie es gewohnt, viel zu lesen. Was ist jedoch mit den etwas älteren Damen und Herren?

Wir sind heute in einer Zeit angekommen, wo >>lebenslanges Lernen<< zum Alltag gehört. Allerdings tut man ja meistens nur das Nötigste. Daher ist es wichtig, die Grenzen in größerer Entfernung abzustecken.

Du solltest versuchen noch mehr zu lesen. Gerade dann, wenn Du derzeit noch sehr viel fernsiehst oder Videos im Internet anschaust. Bezogen auf den Sabbat-Tag ist damit Offlinelesen gemeint.

Also nimm Dir ein Buch oder Deinen E-Book-Reader und leg los. Keine Nachrichten oder Blog-Posts im Internet oder Sonstiges in digitaler Form. Hierdurch schaltest Du nämlich die Ablenkungen aus.

Sonst läuft es nämlich so ab, dass man einen interessanten Artikel gefunden hat, dort gibt es wieder eine Verlinkung und der nächste Tab öffnet sich. Dann liest Du dort weiter. Und dort wieder eine neue Verlinkung usw. Das stört komplett den Lesefluss.

>>Du musst Multitasking-fähig sein usw. Bla, bla, bla.<< So was gibt es nicht. Der Mensch ist nicht für Multitasking geschaffen. Lass die anderen erzählen, was sie wollen.

Daher besinne Dich auf das Wesentliche und fang an, eine Sache nach dem anderen zu Ende zu lesen.

4. Zeit für Freunde und Familie

Wann hast Du das letzte Mal Deine Eltern besucht? Oder wann haben sie Dich das letzte Mal besucht?

Wir haben nur diese eine Familie und daher ist es ganz wichtig, sich darum zu kümmern. Hier fühlt man sich schließlich wohl. Und was gibt es bitte Besseres, als sich an seinem freien Tag wohlzufühlen?

Wenn Du zu weit weg wohnst, dann kannst Du sie auch anrufen. Aber es wird Dir (und ihnen) definitiv richtig gut tun, Dich zu sehen oder zu hören.

Das Gleiche gilt für Deine tatsächlichen Freunde. Die meisten von uns haben davon eigentlich nicht allzu viele. Doch diejenigen, die einem wirklich wichtig sind, denen kann man auch seine freie Zeit schenken. Sie bereichern Dich mit ihren Erzählungen. Ihr macht gemeinsame Erfahrungen und habt Spaß zusammen. Get connected!

5. Zeit in der Natur

Egal, ob draußen gerade 35 Grad oder -7 Grad sind. Jedes Wetter bietet seine Eigenheiten und es lohnt sich, es zu genießen. Daher gehe mal wieder raus in die Natur.

Der Park um die Ecke (oder der Wald ganz weit draußen), erscheint in einem ganz anderen Licht, wenn Du dort im Sommer bei purem Sonnenschein oder im Winter bei Eiseskälte und Schnee aufschlägst. Die volle Ladung Sauerstoff und Vitamin D geben Deinem Körper wieder ganz viel Kraft für die anstehende und sicherlich anstrengende Woche.

6. Mehr Zeit für ausgiebiges und gesundes Essen (kein Junk-Food)

Ich persönlich liebe Essen. Deshalb nehme ich mir meistens im Alltag auch die Zeit für ausgewogenes und gesundes Essen. Doch solltest Du unter der Woche keine Zeit dafür haben, dann nimm Dir wenigstens an Deinem Sabbat-Tag dafür Zeit.

Suche Dir ein interessantes neues Rezept raus, kaufe am Vortag die passenden Zutaten und bereite es am Sabbat-Tag mit ganz viel Liebe zu. Ob mit Freunden oder alleine. Es wird Dir und Deinem Körper ganz bestimmt gut tun.

Konzentriere Dich dabei auf Deine Sinne und nehme das Essen mal wieder richtig wahr. Wow, das schmeckt ja richtig gut.

7. Zeit etwas Neues zu lernen

Sei es eine neue Sprache lernen, Programmieren lernen, ein neues Instrument spielen, Häkeln oder sonst für eine neue Fähigkeit. Nimm Dir Zeit und lerne etwas komplett Fremdes.

Du hast jetzt genug Zeit Dich damit ausgiebig zu beschäftigen. Leihe Dir ein Buch aus der Bibliothek oder von einem Freund aus (ausnahmsweise darfst Du jetzt auch ein Video-Tutorial anschauen) und fang an etwas Neues zu lernen.

Vielleicht hilft Dir auch jemand dabei etwas Neues zu lernen. Das ist noch viel besser. So verbringt ihr zusammen Zeit, könnt euch dabei austauschen und Du lernst noch viel schneller dazu.

8. Zeit für Dinge, die Dir Spaß machen

Das finde ich am Besten. Spaß habe ich immer gerne. Sei es Fußball spielen, Fotografieren oder Freunde treffen. Ich liebe es Dinge zu unternehmen, die mir Spaß machen.

Dir geht es auch so? Ist doch logisch? Ja, dann mach es doch auch mal wieder!

9. Arbeite nur an Dingen, die für Dich nützlich sind

Der Sabbat-Tag ist Dein Tag. Der Sabbat-Tag gehört niemand anderem. Deshalb ist es auch ganz wichtig darauf zu achten, dass Du nur Dinge erledigst, die Dir auch einen tatsächlichen Nutzen bringen. Die Dir einen Mehrwert verschaffen.

Also keine sinnlosen E-Mails bearbeiten/löschen (nur, wenn Du dabei bist, ein neues System anzulegen oder dabei bist, Dich von Unnötigem zu lösen), Hausputz erledigen, Büro aufräumen oder das Manuskript für morgen ausarbeiten.

Du solltest Deine freie Zeit wirklich nur für Dinge verwenden, die Dein Leben wirklich bereichern. Das ist eine schwierige Frage. Doch auch dafür ist der Sabbat-Tag da. Du hast den ganzen Tag dafür Zeit, Dir darüber Gedanken zu machen.

Dir fällt etwas ein und Du hast Angst es zu vergessen? Dann schreibe es auf.

10. Mache einen Ausflug

Ich liebe es, zu reisen. Ich erweitere damit meinen Horizont. Ich habe dabei ganz viel Spaß, ich lerne neue Leute kennen, ich verbessere meine Sprachkenntnisse, ich sehe neue Dinge (danach bin ich süchtig) und, und, und. Das Ziel muss auch nicht unbedingt weit weg sein:

    >>Willst du immer weiter schweifen?
    Sieh, das Gute liegt so nah.
    Lerne nur das Glück ergreifen,
    Denn das Glück ist immer da.<< – Johann Wolfgang von Goethe

Wohnst Du an der Grenze? Dann los, rüber zu den Nachbarn. Die beißen nicht. Höchstens freuen sie sich über Deinen Besuch. Auch nahe gelegene Städte sind immer einen Besuch wert. Solltest Du jedoch noch etwas mehr Zeit freihaben, als einen Tag, dann darfst Du gerne auch mal weiter wegfahren.

Daher schnapp Dir Deine Kamera, ab in den Rucksack und los geht’s!

Diese Art von Auszeit in Deiner Woche hilft Dir in erster Linie wieder runterzukommen vom Alltags-Spiel. Sich auf das Wichtige zu konzentrieren: Dich selbst. Und gleichzeitig hilft Dir dieser Sabbat-Tag auch dabei, das Unnötige aus Deinem Leben zu streichen. Es weniger werden zu lassen, bis es Dir vielleicht irgendwann nicht mehr fehlt.

Du wirst merken, dass Du anfangs gar nicht weißt, was Du mit der vielen Zeit anfangen sollst. Das ist auch gut so. Hier fängst Du nämlich an, genau darüber nachzudenken, was Dir im Leben am Wichtigsten ist. Hier wirst Du kreativ und findest, was Dich lebendig macht. Hier beginnt der nächste Schritt zu einem einfacheren Leben.

Wenn Du vor einer Veränderung stehst, frage Dich immer: >>Was ist das Schlimmste, was mir passieren kann, wenn ich das jetzt tue?>> Du wirst merken, dass Dir diese Frage dabei nützlich sein wird, den nächsten Schritt zu tun bzw. eben nicht zu tun.

Ich hoffe, der Artikel hat Dir gefallen. Daher würde ich mich freuen, Dich beim nächsten Mal wieder begrüßen zu dürfen. Bis dahin alles Gute.

Dein Timo

Wie Du auch ohne Smartphone leben kannst

Ich wache auf. Der erste Griff am Morgen. Wohin der führt? Selbstverständlich zu meinem Smartphone. Reinschauen, ob ich neue Nachrichten habe. Reinschauen, ob ich noch ein paar neue Likes bekommen habe.

Reinschauen, ob sich in der Welt etwas Sensationelles ereignet hat. Ohne Smartphone leben und in den Tag starten? Schwierig.

Kennst Du dieses Gefühl genau so gut wie ich?

Warum sind wir mittlerweile so gepolt, dass genau dieses Szenario den Start in den Tag von Abermillionen von jüngeren (und zunehmend mehr älteren) Menschen bestimmt?

Welchen Nutzen hast Du denn aus dieser morgendlichen Routine?

Stell’ Dir vor. Ich bin heute doch tatsächlich aufgestanden und mein erster Griff galt meinem iPhone. Ich schaute auf die Bettkante, um mein Ziel anzupeilen.

Wo war mein iPhone hin?

Ein Blick auf den Boden und ich wusste, wo es war. Es muss in der Nacht auf den Boden gefallen sein. Wie unklug von mir. Auf die Bettkante legen. Aber ich wollte es doch nur über Nacht aufladen. So wie jede Nacht. Man muss schließlich sein Smartphone mittlerweile täglich aufladen!

Und was soll ich Dir sagen? Was ist mit dem Teil passiert?

Es ging nicht mehr an. Aus. Kein Signal. Nichts. Na super, so ein schönes Ding. Was für ein >>gelungener<< Start in den Tag. Auch hier haben wir wieder ein wunderbares Beispiel einer alteingesessenen Routine.

Da ich mich jedoch schon seit geraumer Zeit damit beschäftigt habe, mich von meinem iPhone zu verabschieden, fiel es mir heute nicht allzu schwer, den Tag zu überstehen. Stell’ Dir nur vor, wie viel Zeit Du am Tage zurückgewinnst, wenn Du kein Smartphone mehr hast. Ja, das ist unvorstellbar, nicht wahr? In zweierlei Hinsicht natürlich.

Was ich Dir damit eigentlich nur zeigen und näher bringen will, ist, dass wir heutzutage viel zu sehr ins Abhängigkeitsverhältnis mit diesen mobilen Endgeräten gerutscht sind.  Saß man doch früher in der Straßenbahn und hat sich mit dem Sitznachbarn unterhalten. Egal, ob ältere Dame oder Klassenkamerad. Man hat sich nicht in sein Handy verkrümelt, die Kopfhörer rein gestöpselt und indirekt >>Adieu<< gesagt.

Die Stichworte sind >>zwischenmenschliche Beziehungen<<. Natürlich ist es jedem seine eigene Entscheidung, mit wem er seine Zeit verbringt bzw. wem er seine Aufmerksamkeit schenkt. Doch gerade diese Sache mit der Aufmerksamkeit schränken diese neuen Technologien eindeutig ein.

Es kommt darauf an, den Moment zu genießen. Im Hier und Jetzt zu sein. Regelmäßige Ablenkungen dieser Größenordnung können erhebliche Folgen auf unsere Konzentration haben.

Ich merke es bei mir selbst. In den Zeiten, wo ich mich wirklich wenig oder gar nicht mit meinem iPhone am Tage beschäftige, bin ich hinten heraus wesentlich produktiver, aufmerksamer und ausgeruhter.

Sind das keine positiven Eigenschaften?

Du musst für Dich selbst entscheiden, bis zu welchem Punkt Du einem Smartphone in Deinem 24h-Alltag einen Platz anbietest. Bzw. es für Dich nur einen >>Nutzen<< und keine >>Abhängigkeit<< darstellt. Oder, ob Du Dich dazu >>durchringen<< kannst, auch ein Leben ohne dieses zu führen.

Natürlich sind Smartphones ein Meilenstein in der Welt der Handys. Das will ich gar nicht abstreiten. Es wurde vieles einfacher durch deren Entwicklung. Doch für mich persönlich: Ich will den Schritt zurück wagen und auf einfache Erreichbarkeit >>downgraden<<.

Ich bin schon jetzt gespannt, wie es mir gelingen wird, den Alltag im Jahr 2015 ohne Smartphone erfolgreich zu meistern. Und wenn auch Du Bock darauf hast, das Ganze mal selbst auszuprobieren, dann schließe Dich mir an. Wir können uns hier gerne darüber austauschen, wie wir die Veränderungen wahrnehmen und was gut/schlecht daran ist.